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David Howald: Einer der größten Götzendiener in der Geschichte des Rock'n'Roll

Zeitzünder/Lyrik heute
David Howald

Einer der größten Götzendiener in der Geschichte des Rock 'n' Roll


Er sucht nach Mördern, vermeintlichen Propheten und Märtyrern,
um ihnen ernst und fingerfertig seinen Dienst zu erweisen.
Andächtig arbeitet er im schummrigen Saum des Rampenlichts.
Sanft scheint er dabei hinter der Schulter des Frontmannes auf,
während über seiner eigenen Schulter
monströs die Schnecke des Violoncellos thront.

Wo er den Instrumenten Hohlklang und Wehklage entlockt,
weicht die diesseitige Zerstreuung
und der ewig nachtseitige Strom jener einen spezifischen Musik
entfaltet sich,
als würde sie das Wurzelwerk eines fehlwüchsigen Baumes
vorübergehend erneut zum Erglühen bringen.

Er kann seinen Bogen nur dort geschmeidig ziehen, wo Gefahr lauert.
Dort, wo sich der Geist bewusst einer gewissen Abtrünnigkeit aussetzt
und eine Rückkehr nicht mehr gewährleistet ist:
Unter den vergessenen Blechdächern eines nordamerikanischen Indianerdorfes,
wo sich eine Welt in komatösem Kleid weiterdreht.
Unter den Laubbäumen weitläufiger Pariser Parks,
wo bei Anbruch der Dunkelheit die Schatten im Ende einer Epoche wühlen.

Dort steht er.
Konzentriert und spitzen Mundes dienend,
bemüht um die Würde im Verwerflichen, bemüht um die Erhaltung dessen,
was ohne seine Komplizenschaft zu verstummen droht.
Stets nur untermalend und unterfütternd.
Stets mitwissend und mitschuldig.


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