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Walt Whitman: Hymne für die Erde, 10 (= Starting from Paumanok, 12)

Memo/Klassiker > Memo

Walt Whitman
 
Hymnen für die Erde
übersetzt von Franz Blei, 1914
10


Demokratie! Ganz nah bei dir füllt sich nun eine Kehle mit Lust und singt freudvoll.

Ma femme! Für die Brut nach uns und von uns,
Für die Gegenwärtigen und die Künftigen
Jauchzend, daß ich für sie bereit bin, will ich nun Lieder hinausschütteln, stärkere, stolzere, als je bisher auf Erden gehört.

Ich will Gesänge der Leidenschaft singen, ihnen ihren Weg zu geben,
Und auch eure Gesänge, geächtete Verbrecher, denn ich skandiere euch mit zärtlichen Augen und nehme euch mit mir so gut wie sonst wen.

Das wahre Gedicht des Reichtums werde ich singen,
Zu ernten für Leib und Verstand, was Dauer hat und vorwärts geht und nicht vom Tode geschlagen ist.

Selbstsucht werde ich ausströmen und zeigen, daß es allem zugrunde liegt, und der Barde der Persönlichkeit werde ich sein,
Und vom Weibe und vom Manne werde ich aufweisen, daß ein jedes nur des andern Gleiches ist,
Und ihr, Organe und Akte des Geschlechts, konzentriert euch in mir, da ich entschlossen bin, euch mit klarer, mutiger Stimme zu sagen und auszusprechen, daß ihr erhaben seid,
Und weisen will ich, daß keine Unvollkommenheit ist im Heutigen und keine sein kann in der Zukunft,
Und weisen will ich, daß, was immer auch irgendeinem widerfahre,
zu gutem Ausgang und schönem gewendet werden kann,

Und weisen will ich, daß einem nichts Schöneres geschehen kann als der Tod,

Und einen Faden werde ich durch meine Gedichte ziehen, daß Zeit und was geschieht, ineinander gefestet sind

Und alle Dinge der Welt vollkommene Wunder sind, eines so tief wie das andre.

Nicht Gedichte werde ich machen, die sich auf Teile beziehen,
Sondern ich werde Gedichte machen, Gesänge und Gedanken, die sich auf das Ganze beziehen,

Nicht auf den Tag hin werde ich singen, sondern auf alle Tage hin,

Und kein Gedicht oder eines Gedichtes geringsten Teil werde ich machen, der nicht auf die Seele sich bezieht.

Denn da ich auf die Dinge der Welt sah, da finde ich keines und keines Dinges ein Stück, das sich nicht aus die Seele bezieht.



Starting from Paumanok, 12


Democracy! near at hand to you a throat is now inflating itself
      and joyfully singing.

Ma femme! for the brood beyond us and of us,
For those who belong here and those to come,
I exultant to be ready for them will now shake out carols stronger
     and haughtier than have ever yet been heard upon earth.

I will make the songs of passion to give them their way,
And your songs outlaw'd offenders, for I scan you with kindred
     eyes, and carry you with me the same as any.

I will make the true poem of riches,
To earn for the body and the mind whatever adheres and goes
     forward and is not dropt by death;
I will effuse egotism and show it underlying all, and I will be the
     bard of personality,
And I will show of male and female that either is but the equal
     of the other,
And sexual organs and acts! do you concentrate in me, for I am
     determin'd to tell you with courageous clear voice to prove
     you illustrious,
And I will show that there is no imperfection in the present, and
     can be none in the future,
And I will show that whatever happens to anybody it may be
     turn'd to beautiful results,
And I will show that nothing can happen more beautiful than
     death,

And I will thread a thread through my poems that time and events
     are compact,
And that all the things of the universe are perfect miracles, each
     as profound as any.

I will not make poems with reference to parts,
But I will make poems, songs, thoughts, with reference to ensemble,
And I will not sing with reference to a day, but with reference to
     all days,
And I will not make a poem nor the least part of a poem but has
     reference to the soul,
Because having look'd at the objects of the universe, I find there
     is no one nor any particle of one but has reference to the
     soul.


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