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Nansý Sunadóttir: Kannst du mir helfen & Die Tage

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Foto: Oddfríður M. Rasmussen
Nansy Sunadottir

Kannst du mir helfen & Die Tage

(Aus Eg hvessi mær knívin, eg komi heim/Ich schärfe mein Messer, ich komme heim,
Ungu Føroyar, Tórshavn 2024)

Aus dem Färöischen von Theresa Kohlbeck Jakobsen

kannst du mir helfen, frage ich
während ich auf deinem Schoß sitze
und du singst von Opa aus Vágur
und Oma aus Porkeri
und dem kleinen Schelm auf dem Schoß
und plötzlich sitze ich am Boden
und begrabe mich selbst in Erinnerungen
sehe den leeren Stuhl und die Einsamkeit flüstert:
ich will dir helfen

will mich nur verstecken
unter die Decke kriechen
mich in die Erde stürzen
mich selbst begraben
lebendig

einzig meine Sehnsucht
mein Kummer wächst
die Trauer dich
und gleichzeitig mich selbst zu verlieren
die einzige Lösung ist, mich selbst zu beerdigen,
sagt die Einsamkeit.


die Tage kommen mir freundlicher und heller vor
und während ich im geschäftigen Reykjavik sitze
und der 80er-Jahre-Musik lausche,
die aus den Lautsprechern strömt,
denke ich:

vielleicht, vielleicht wird jetzt alles besser
vielleicht habe ich keinen stützenden Schatten mehr nötig


Nansý Sunadóttir, geb. 1997, hat einen Master-Abschluss in färöischer Sprache und Literatur, und arbeitet in der Nationalbibliothek der Färöer. Eg hvessi mær knívin, eg komi heim / Ich schärfe mein Messer, ich komme heim (2024) ist ihr erster Gedichtband. Mit scho-nungsloser Ehrlichkeit zeigt der Band die unerfüllbaren Erwartungen auf, die die Gesellschaft an Frauen stellt, und führt zugleich in einige der dunkelsten Ecken des Erwachsenwerdens ein. Für dieses Werk erhielt sie 2025 den Ebba-Hentze-Preis für vielversprechende färöische Nachwuchsautorinnen. Zuvor veröffentlichte sie bereits Gedichte in der Literaturzeitschrift Varðin. Sowohl eine englische als auch eine deutsche Übersetzung sind in Arbeit.

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