Ulrich Koch: Elementares zur Rückkehr
Montags=Text
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Ulrich Koch
Elementares zur Rückkehr
ELEMENTARES GEDICHT №
53
Im ersten Traum
werden die Dichter bei ihren Namen gerufen,
und ein kurzes
Flattern ist zu hören.
Alles denkt, ein
Vogel, der seinen Schlafplatz wechselt.
Aber dann ist es ein
Gesicht.
Im zweiten Traum
raschelt ein Igel
draußen vor der Tür
im Laub.
Und sie müssen an ihre
Geburt denken.
Im dritten Traum
rufen sie alle in den Zeugenstand.
Die mit Schuppen, die
mit Stacheln.
Die Geflügelten, die
Bepelzten.
Zuerst die
Muttertiere.
Danach die
Laboraffen.
Zuletzt die Nackten.
Einmal die ganze
Sprache auf einmal sagen, sagen die Maulwürfe
im vierten Traum.
In einem einzigen
Augenblick.
Dass ihnen schwarz
wird vor Augen.
Und der Rücken
reinweiß.
Im fünften Traum
träumen die Dichter von einem gemischten Chor.
Die Arme der Gibbons
sind lang von den Worten.
Im vorvorletzten
Traum lebt das Meer zurückgezogen
in einem Heim am
Stadtrand
und lauscht.
Im vorletzten Traum
tauchen Oktopoden
aus der Tiefe auf.
Jeder mit einem
Lieblingsarm,
einem knospenden Ast.
Dann löscht jemand
das Licht
und die
ausgeschalteten Kronleuchter
sinken in die Tiefe.
Im letzten Traum
klettern die Dichter
mit Saugnäpfen
an der Glasfassade
der Sprache in die Höhe.
Es sind ihre Münder.
Wenn sie ausgeträumt
haben, rufen sie vor dem Sterben
drei-, viermal in die
Höhle.
Keine Antwort.
Dann gehen sie
hinein.
ELEMENTARES GEDICHT №
6
Die verkrauteten Sommerkleider der Witwen.
Die leuchtende Reithalle in der dämmernden Ebene.
Die Stille unterm Sternenhimmel:
Im Paketamt werden die Tablets ausgelesen.
Der Parkplatz vorm Friedhof, für Entomologen reserviert.
Schnee, der auf Motorhauben schmilzt.
Die Schachtel der Morgenkälte,
von den Grundschülern auf Lunge geraucht.
Im Garten des toten Nachbarn
der nasse Holzstapel
und der abgemeldete Toyota Hybrid.
Das trampende Paar am Rand der nebligen Straße:
zwei Raupen im Glas,
kurz vor der Verpuppung, in Formaldehyd.
Die verkrauteten Sommerkleider der Witwen.
Die leuchtende Reithalle in der dämmernden Ebene.
Die Stille unterm Sternenhimmel:
Im Paketamt werden die Tablets ausgelesen.
Der Parkplatz vorm Friedhof, für Entomologen reserviert.
Schnee, der auf Motorhauben schmilzt.
Die Schachtel der Morgenkälte,
von den Grundschülern auf Lunge geraucht.
Im Garten des toten Nachbarn
der nasse Holzstapel
und der abgemeldete Toyota Hybrid.
Das trampende Paar am Rand der nebligen Straße:
zwei Raupen im Glas,
kurz vor der Verpuppung, in Formaldehyd.
ELEMENTARES GEDICHT
N° 71
Immer montags
erinnern wir uns an die Zukunft.
Sie war rosig und
kühl.
Als hätten wir im
Freien geschlafen.
In Ulrich Koch: Am Ende reisen wir früher zurück. Elementare Gedichte
№ 0 bis № 100. Salzburg (Jung und Jung) 2026. 144 Seiten. 26,00 Euro.