Ulrich Koch: Elementare Gedichte 1 - 3
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Ulrich Koch
Elementare Gedichte 1 - 3
ELEMENTARES GEDICHT №
1
Trösten Brücken?
Sterben Pferde?
Jeden Morgen wäscht sie ihre Haare,
als ertränke sie eine Katze.
Ich möchte ungeschehen machen,
worauf ich so lange warte.
ELEMENTARES GEDICHT №
2
Die Bibliothek, von
der ich nachts geträumt,
bestand aus
getrockneten Schmetterlingen,
in der Mehrzahl
Kleine Füchse und Admiräle,
und ich erwachte als
Lepidopterologe,
gähnend, von
Hämatomen übersät,
als hätte mich
Säugling über Nacht
meine tote Mutter mit
Küssen bedeckt.
Wo etwas gärte oder
verweste: Krähenfontänen.
Diesige Wiesen, das
Licht: Nasses Salz.
Und der Weg nahm mich
nur oberflächlich wahr.
Ich weckte den Traum
vom Fliegen
beim Betreten des
Hühnerstalls.
Schauerwolke, hell,
mit Regenfäden:
Seelenmyzel, in
aufgelockerte Erde gesteckt.
Sternenhimmel, ich
ging unter.
Rücklings vergaß mich
das Gras.
Der Fluß trieb mit
meinen Füßen voran.
ELEMENTARES GEDICHT №
3
Wie lähmend sind eure
Jamben.
Und lasst uns schweigen von euren – ihr nennt sie –
Biographien: Banal wie die Zypressenschatten
auf den Bildern von Böcklin.
Wolltet ihr nicht endlich Dyslalien züchten?
Versucht euch doch einmal wie Delphine zu küssen!
Die Gesichter eurer Kinder: Machbarkeitsstudien.
Ich lebe länger ohne eure Verse.
Wann wird man euch das Kunsthandwerk legen?
Ich lese lieber Kohlhaas, treu wie Herse.
Auch in mir sind lange Gedichte, die ins Freie wollen
nach so vielen Jahren. Bald
ist die Küste erreicht, glauben sie mir immer noch.
Droht mir jetzt nicht mit Gewaltlosigkeiten.
Ich zähle mein Leben
nach Dienstjahren, unterbrochen
von wenigen Sommern.
Das Gras sagt mir alles ins Gesicht.
So möchte ich leben:
In Auflösung begriffen, im Schatten
einer cerebralen Wolke wandernd,
die mich vergißt. Ausruhend
von mir, an einem Bach,
die Kiesel kandiert vom gebrochenen
Licht; die Füße im Wasser,
vom Wasser geknickt.
Und lasst uns schweigen von euren – ihr nennt sie –
Biographien: Banal wie die Zypressenschatten
auf den Bildern von Böcklin.
Wolltet ihr nicht endlich Dyslalien züchten?
Versucht euch doch einmal wie Delphine zu küssen!
Die Gesichter eurer Kinder: Machbarkeitsstudien.
Ich lebe länger ohne eure Verse.
Wann wird man euch das Kunsthandwerk legen?
Ich lese lieber Kohlhaas, treu wie Herse.
Auch in mir sind lange Gedichte, die ins Freie wollen
nach so vielen Jahren. Bald
ist die Küste erreicht, glauben sie mir immer noch.
Droht mir jetzt nicht mit Gewaltlosigkeiten.
Ich zähle mein Leben
nach Dienstjahren, unterbrochen
von wenigen Sommern.
Das Gras sagt mir alles ins Gesicht.
So möchte ich leben:
In Auflösung begriffen, im Schatten
einer cerebralen Wolke wandernd,
die mich vergißt. Ausruhend
von mir, an einem Bach,
die Kiesel kandiert vom gebrochenen
Licht; die Füße im Wasser,
vom Wasser geknickt.
Aus Ulrich Koch: Ich im Bus im Bauch des Wals. Dresden (Edition Azur) 2015. 112 Seiten. 20 Euro.