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Stanislav Špaček: Drei Gedichte

Werkstatt/Reihen > Reihen > Über die Schwelle - Neues aus Tschechien

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Aus dem Privatarchiv von
Bohumila Rozehnalová
Stanislav Špaček
Drei Gedichte
aus dem Tschechischen von Patrik Valouch


Ich spaziere durchs Gras
Dir entwachsen
In den rissigen Lippen
Ich spaziere
             In der Tasche trage ich
             Eine kaputte Uhr
             In der Hand einen Reißnagel
Und ich bemühe mich
             Keine der Blumen
             Zu zerstampfen
             Die an deinen Lippen erblüht sind



Jindřich vom Stadtrand
zog sich
eines Winterabends
uralte Schlittschuhe an
und fuhr
beim Licht grünlicher Lampen
auf dem Fluss hin
und zurück



magische Fischlein
schwimmen
ganze Tage
und Nächte
quer durch
eine unendliche
Konserve


Stanislav Špaček (1971–1999) war ein Lyriker aus Zlín, der mährischen Industriestadt, deren Stadtbild vor allem durch das weltweit bekannte Schuhunternehmen Baťa geprägt wurde. Er absolvierte eine Wirtschaftshochschule und arbeitete nach dem absolvierten Studium als Bühnentechniker am lokalen Theater. Während dieser Zeit konvertierte er zum katholischen Glauben und beteiligte sich an staatlich verbotenen katholischen Aktivitäten. Mitte der 1990er-Jahre erkrankte er schwer an Depressionen, die schließlich zu seiner tragischen Entscheidung führten: Am 5. Dezember 1999 nahm er sich das Leben.
Der Übersetzer dankt herzlich Klaus Anders für die kritische Durchsicht der Gedichte.

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