Róža Domašcyna: Zamperzeit II
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Foto: Jens Domaška
Róža Domašcyna
ZAMPERZEIT II
hartgeld in die spardose gesteckt
nun ist sie schwer nichts klappert mehr
und eine halde wächst schon hinterm gottesacker
zu uns her
das geröll des friedhofs kommt obendrauf
dann wir
das schüttgut türmt sich
niemand türmt mehr von drüben nach hier
alles ab geräumt der raum abraum
hab jetzt auch den wald hergeben müssen
vertröstet worden: alsbald ist schluss
mit dem muss: keine sägen sägen
keine bäume schlagen hart auf
keine orte unter abrissbirnen
keine menschen sollen fort dort
aber was für bäume sind noch hier?
aber was für orte und menschen?
aber welcher friedhof?
die frischen baumstümpfe sind teller tische
weiß bedeckt zur zamperzeit
zur schürfmelodie der bagger bereit
schlürfen wir schon mal einen korn
backen quarkspitzen in haldenform
unsere zamperer kommen in gruppen
großes trallala das büfett ist im schuppen
wir verdrücken die quarkigen spitzen
spüren noch schmerz beim sich ritzen
ich werfe das geld vor die tür
im schnee klirrt es nicht einmal mehr
wir zampern tanzen und trinken
die zunge lallt noch derweil wir sinken
ich fall ins federweiß schwer
krieg mich nicht mehr ein
krieg mich nicht mehr
(Zampern -Fastnachtsbrauch in der
zweisprachigen Mittellausitz)