Lukáš Marvan: Drei Gedichte
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Foto: privat
Lukáš Marvan
Drei Gedichte
Aus dem Tschechischen von Patrik
Valouch
Wir
haben alles was Ihre Augen brauchen
Na gut
vielleicht schaffe ich es nicht
und sterbe
ich bin schon allen begegnet
so viele Menschen
jeder hat einen Namen
sieht irgendwie aus
und denkt etwas im brennenden
Plastik des Kopfes
wie ich mitten im nächtlichen Wald stehe
ein kleines grünes Licht
nähert sich den Baumkronen
gleitet an mir vorbei
und kehrt wieder zurück
meine Augen fliegen hin und her
wenn über meinem Kopf
der grüne Lichtstreifen huscht
und plötzlich stehen bleibt
von der Erde steigt ein Wind auf
und wieder landet
neben meinem Ohr steht im Nu
auf einem Holunderzweig
ein kleines grünes Eichhörnchen
es lächelt und flüstert
„die ganze Welt ist ein schwebendes Stück Scheiße“
dann erlischt alles
vielleicht schaffe ich es nicht
und sterbe
ich bin schon allen begegnet
so viele Menschen
jeder hat einen Namen
sieht irgendwie aus
und denkt etwas im brennenden
Plastik des Kopfes
wie ich mitten im nächtlichen Wald stehe
ein kleines grünes Licht
nähert sich den Baumkronen
gleitet an mir vorbei
und kehrt wieder zurück
meine Augen fliegen hin und her
wenn über meinem Kopf
der grüne Lichtstreifen huscht
und plötzlich stehen bleibt
von der Erde steigt ein Wind auf
und wieder landet
neben meinem Ohr steht im Nu
auf einem Holunderzweig
ein kleines grünes Eichhörnchen
es lächelt und flüstert
„die ganze Welt ist ein schwebendes Stück Scheiße“
dann erlischt alles
Verdacht
auf einen toten Mann in der Wohnung
Schon einige Tage
hat Marie den Verdacht
dass dort in einem dunklen Winkel der Wohnung
irgendwo tief drinnen
ein toter Mann liegt und sich windet
so sehr schmerzt ihn der Tod
schon einige Tage tastet Marie mit einem Besen
so weit sie reicht
und immer nur Spinnennetze Staub
zu einem Knäuel gewunden
hin und wieder glühende Kohlen
Marie lässt sich nicht beirren
er ist da
er muss hier irgendwo sein
Sonnenstrahlen so ins Innere
der blinden Zimmer zu ziehen
vermögen nur Tote
Marie hasst dieses Licht
es reißt die treuen Tränen vom Gesicht
wie der Wind hinterm Lenkrad eines Sportwagens
schon einige Tage weiß Marie
dass in ihrer Wohnung ein toter Mann ist
sie haben schon mehrmals Blickkontakt gehabt
aber er ist immer noch sehr scheu
hat Marie den Verdacht
dass dort in einem dunklen Winkel der Wohnung
irgendwo tief drinnen
ein toter Mann liegt und sich windet
so sehr schmerzt ihn der Tod
schon einige Tage tastet Marie mit einem Besen
so weit sie reicht
und immer nur Spinnennetze Staub
zu einem Knäuel gewunden
hin und wieder glühende Kohlen
Marie lässt sich nicht beirren
er ist da
er muss hier irgendwo sein
Sonnenstrahlen so ins Innere
der blinden Zimmer zu ziehen
vermögen nur Tote
Marie hasst dieses Licht
es reißt die treuen Tränen vom Gesicht
wie der Wind hinterm Lenkrad eines Sportwagens
schon einige Tage weiß Marie
dass in ihrer Wohnung ein toter Mann ist
sie haben schon mehrmals Blickkontakt gehabt
aber er ist immer noch sehr scheu
Alles
Schwindel
Mama treibt lange durch den Laden
so viele Möglichkeiten
von Pullovern und Mänteln
ein Mädchen
springt von Eisscholle zu Eisscholle
die hohen Dinge ziehen sich weg
nichts
also fasst sie
die Hand einer hübschen blonden Figur
im Mantel mit geblümten Höschen
nichts
also stampft sie
die Figur schwankt
fällt
wir lachen
ringsum saust die Landschaft
hinter dem Zugfenster
stehe ich
und halte die Hand
von Jaromír Jágr
nichts
… also stampfe ich.
so viele Möglichkeiten
von Pullovern und Mänteln
ein Mädchen
springt von Eisscholle zu Eisscholle
die hohen Dinge ziehen sich weg
nichts
also fasst sie
die Hand einer hübschen blonden Figur
im Mantel mit geblümten Höschen
nichts
also stampft sie
die Figur schwankt
fällt
wir lachen
ringsum saust die Landschaft
hinter dem Zugfenster
stehe ich
und halte die Hand
von Jaromír Jágr
nichts
… also stampfe ich.
Lukáš Marvan (*1962
in Písek) ist ein tschechischer Lyriker, der als Journalist, buddhistischer
Mönch und zuletzt als Sprecher des Feuerwehr- und Rettungsdienstes der Region
Ústí nad Labem (Aussig) tätig war. Seit den 1990er Jahren veröffentlicht er
Gedichte – auf seinen Debütband „Levhart nebo Leopard“ (1993, Parder oder
Leopard) folgten weitere Gedichtsammlungen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt
sein Buch „Klášter v džungli“ (2004, Kloster im Dschungel), in dem er seinen
Aufenthalt in einem Waldkloster in Sri Lanka reflektiert. Sein bislang letzter
Band „Mrtvý muž a skleněné oko“ (2025, Toter Mann und gläsernes Auge) entwirft
ein vielschichtiges Panoptikum des alltäglichen Wahnsinns, in dem sich die
Banalität des zeitgenössischen Lebens mit surrealen und grotesken
Verschiebungen kreuzt. Marvan arbeitet mit einer unverblümten Sprache, die
zwischen feinsinnigen Lyrismen und irritierenden Vulgarismen oszilliert.
Der Übersetzer dankt
herzlich Klaus Anders für die kritische Durchsicht der Gedichte.
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