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Jan Kuhlbrodt: Es lebe die tschechische Literatur

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Jan Kuhlbrodt   

Es lebe die tschechische Literatur

Ein Einwurf


Tschechien war Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Die Literatur dieses Nachbarlandes, das mir, als ich in Karl-Marx-Stadt aufwuchs, am geografisch nahesten war, und zugleich sprachlich doch meilenweit entfernt, hat mich immer wieder begeistert.
Paradox: die meisten Tschechinnen, die ich traf, sprachen ziemlich gut Deutsch, kein Deutscher, den ich kannte, Tschechisch. So war und bin ich auf Übersetzerinnen und Übersetzer angewiesen. Ihnen gilt mein Dank!

Es scheint eine Art tschechischen Humor zu geben, einen anarchischen, melancholischen Humor, durchsetzt mit Verlusterfahrung. Ein Humor, der sich in den Texten von Hasek, Biebl, Kafka und einigen anderen materialisierte und der einen, zumindest jedenfalls mich, in den Bann schlägt.

Kafkas Texte kommen natürlich ohne Übersetzung ins Deutsche aus. Auch die Urzidils. Dennoch scheint in ihnen etwas davon sedimentiert, was dem Tschechischen anzuhaften scheint. Und gerade ist mir dieser Humor wieder begegnet, im Roman der jungen
tschechischen Autorin Anna Luňáková.

Das Buch heißt „Ein Bogen aus Fabeln“ ist bei Wunderhorn erschienen und wurde von Martina Lisa kongenial übersetzt. Der Roman ist eine experimentelle Identitätserkundung, wie der Verlag schreibt. Er verwebt autobiografische Motive mit Sprachspielen und lotet die Erfahrung einer therapeutischen Sitzung bis an den Rand der Dissoziation aus. Aus den paradoxen Situationen erhebt sich der erwähnte Humor, der wie jeder gelungene eine ernste Angelegenheit ist.


Anna Luňáková: Ein Bogen aus Fabeln. Aus dem Tschechischen von Martina Lisa. Heidelberg (Verlag Das Wunderhorn) 2026. 170 Seiten. 24,00 Euro.


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