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Heinz Peter Geißler: die Nacht

Gedichte > Gedichte der Woche

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Heinz Peter Geißler

die Nacht


die Nacht ist eine Brause − Müdigkeit liegt am Leben selbst
das ist die angestammte Erfahrung von zwanzig Jahren Stille
Wolke und Sonnen ein orientalischer Orient

mich in eine Situation versetzen von der anderthalb Minuten abgehen
zum Leidwesen − Rückenkrümmung wie in der Milchstraße
die Ellenbeuge im Sternbild Schütze schütztn Kopf der Fuß hängt

von der Decke − theoretisch beginnt der Morgen in der Früh
Knie müssen auseinander damits vorwärtsgeht mit blankem Bauch und
prüder Stirn beginnt der Tag wie Zwirn

ein Schritt weise ein Schritt klug zwei Schritt leise ausgeruht
das Zittern des Tags beginnt mitm Zittern der Nachholgeschwindigkeit
wer sich selber anfasst erfasst seine Fassung − ich haltn Rücken grade

damit er mich stützt − das täglich Brot gibts nicht mit Lob
ich gehe auf die Sätze zu sie kommen still heraus
sie waren in der Nacht versteckt in einem Schachtelhaus

das Schachtelhaus ist blind und alt von außen dunkel innen kalt
der Kellerflur ist selten hell und führt zu einem Bettgestell
ich mache Licht durch ein Gedicht das meine Hand ins Dunkle spricht


Mit diesem Gedicht und anderen gewann Heinz Peter Geißler 2026 den Lyrikpreis Meran.


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