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César Vallejo: Universalität der Poesie für die Einheit der Sprachen

Zeitzünder/Lyrik heute
César Vallejo

aus der Reihe "El arte y la revolución" (1924 - 1928)

UNIVERSALITÄT DER POESIE
FÜR DIE EINHEIT DER SPRACHEN
übersetzt von Ivor Joseph Dvorecky

Ein Gedicht ist eine lebendige Einheit, viel organischer als ein
organisches Lebewesen in der Natur.

Einem Tier wird eine Gliedmaße amputiert und das Tier lebt
weiter; einer Pflanze wird ein Zweig abgeschnitten oder ein Stück vom
Stiel und die Pflanze lebt weiter.

Aber amputiert man von einem Gedicht nur eine Verszeile, ein Wort, einen
Buchstaben, ein Satzzeichen - stirbt es.

Daher kann das Gedicht, wenn es übersetzt wird, seine absolute und
lebendige Integrität nicht bewahren; es sollte in seiner
Originalsprache gelesen werden, und natürlich schränkt das,
gegenwärtig noch, die Universalität seiner Empfindung ein.

Doch man darf nicht vergessen, dass diese Universalität an dem Tage
möglich sein wird, da alle Sprachen sich vereinen und verschmelzen,
nämlich durch den Sozialismus, zu einer einzigen universalen Weltsprache.


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