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Latinale 2017 - Miguel Ángel Petrecca: Landschaft

´Barrio latino













Foto: María Paz Levinson


Miguel Ángel Petrecca

Aus dem argentinischen Spanisch von Léonce Lupette


Paisaje

El examen de sus documentos personales,
agendas y cuadernos que llevaba consigo
o servilletas llenas de mapas y garabatos,
podrían mantener ocupado durante décadas
a algún pobre diablo con alma de detective.
Y sin embargo no llegarían a revelar mucho
sobre la vida del hombre en cuestión.
Una vida así derrochada entre esos papeles
tendría como único saldo tangible al fin
la acumulación de más documentos y comentarios,
un tesoro documental anexado al primero
a la espera de nuevos comentaristas.
Date una vuelta por el lugar donde vivió
y tratá si podés de alejar los ojos
de la torre de agua que preside horrenda,
igual que un espantapájaros, la zona.
Tal vez después de esa pequeña excursión
no estés más cerca de ninguna clave,
pero al menos podés sentir a la vuelta
una especie de empatía mientras mirás desde la autopista
adefesios de hormigón, fábricas y hoteles que ensayan sin mucho

éxito

tibios gestos de seducción hacia los viajeros,
y decir: este era al fin, más que nada, uno de los nuestros.

Landschaft

Das Untersuchen seiner persönlichen Dokumente,
Kalender und Notizen, die er mit sich trug
oder Servietten voller Pläne und Kritzeleien,
könnten einen armen Teufel mit Ermittlerseele
jahrzehntelang beschäftigt halten.
Und dennoch würde man nicht viel aufdecken
über das Leben des besagten Mannes.
Ein Leben, so vergeudet zwischen diesen Papieren,
erhielte schließlich als einziges habbares Gut
die Anhäufung von noch mehr Schriftstücken und Anmerkungen,
ein dokumentarischer Schatz in Ergänzung des ersten
in Erwartung neuer Kommentatoren.
Geh mal dort vorbei, wo er gewohnt hat
und guck, ob es dir gelingt, den Wasserturm
zu ignorieren, der fürchterlich die Gegend,
wie eine Vogelscheuche, überragt.
Vielleicht bist du nach diesem kleinen Ausflug
keiner Lösung näher, aber
zumindest kannst du auf dem Rückweg
eine Art Empathie verspüren, während du von der Autobahn aus
auf Betonscheusale blickst, Fabriken und Hotels die, ohne viel

Erfolg,

laue Gesten der Verführung von Reisenden proben,
und sagen: am Ende war das, allem voran, einer von uns.

Miguel Ángel Petrecca, geboren 1979 in Buenos Aires, ist Dichter und Übersetzer aus dem Chinesischen. Zu seinen Veröffentlichungen zählen die Gedichtbände „El gran furcio“ (Gog y Magog, 2005), „El Maldonado“ (Gog y Magog, 2007) und „La voluntad“ (Bajo la luna, 2013). In seiner Übersetzung erschienen „Un país mental. 100 poemas chinos contemporáneos“ (Gog y Magog, 2011; Lom, 2013), eine Anthologie zeitgenössischer chinesischer Dichtung, die außerdem ein Reisetagebuch enthält, „La piedra de Kata Tjuta“ (Wuzhou, 2015) und eine Anthologie narrativer Texte „Después de Mao. Narrativa china de hoy“ (Adriana Hidalgo, 2015). Er ist Mitglied des Verlagsbeirats von Gog y Magog ediciones. Zurzeit lebt er in Paris, wo er die Galerie und Buchhandlung Cien Fuegos leitet, die sich der lateinamerikanischen Kunst und Literatur widmet.


Miguel Ángel Petrecca
ist mit der Latinale 2017 in Berlin am 20.10. um 12 - 16 Uhr in der Pablo-Neruda-Bibliothek, sowie am 20.10. um 19:30 Uhr in der Lettretage,
sowie am 22.10. um 11 Uhr in der Buchhandlung Amarcord.

und in München am 26.10. um 18 Uhr in der Spanischen Buchhandlung (Librería Española en Múnich). sowie am 27.10. um 19 Uhr im Rationaltheater.


Zusammengestellt von Timo Berger, Rike Bolte und Laura Haber


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