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Latinale 2017 - Frank Baéz: Niemand raucht in der Bibel

´Barrio latino













Foto: Jefrey Mora


Frank Baéz


Aus dem dominikanischen Spanisch von Timo Berger


En la Biblia no aparece nadie fumando


Pero qué tal si Dios o los que escribieron la Biblia
se olvidaron de agregar los cigarros
y en realidad todas esas figuras bíblicas
se pasaban el día entero fumando
al igual que en los cincuenta en que se podía fumar
en los aviones y hasta en la televisión
y yo imagino a todos esos gloriosos judíos
llevándose sus cigarrillos a los labios
y expulsando el humo por las narices
en lo que aguardan
por sus visiones o porque Dios les hable,
e imagino a David tocando el harpa
en un templo lleno de humo,
a Abraham fumando cigarro tras cigarro
antes de decidirse a matar a Isaac,
a María fumando antes de darle a José
la noticia de que está embarazada,
e incluso imagino a Jesús sacando un cigarro
de detrás de la oreja y fumando
para relajarse antes de dirigirse a las multitudes
reunidas en torno suyo.
Yo no soy un fumador.
Pero a veces me vienen ganas y fumo
como en este instante en que miro la lluvia
caer tras la ventana
y me siento como Noé cuando esperaba
que pasara el diluvio y se la pasaba
de arriba a abajo por toda el arca
buscando donde había puesto
esa maldita cajetilla.

Niemand raucht in der Bibel


Was wäre, wenn Gott oder die, die die Bibel geschrieben haben
die Zigaretten vergessen hätten
und all die biblischen Figuren eigentlich
den ganzen Tag geraucht hätten
genauso wie in den Fünfzigern, in denen man in Flugzeugen
und sogar im Fernsehen rauchen durfte
und ich stelle mir all die glorreichen Juden vor
wie sie sich die Zigaretten zwischen die Lippen stecken
und den Rauch durch die Nase blasen
während sie auf Visionen warten
oder darauf, dass Gott zu ihnen spricht,
und ich stelle mir David vor, wie er
in einem verqualmten Tempel Harfe spielt,
Abraham, der sich eine nach der anderen ansteckt,
bevor er sich entscheidet, Isaak zu opfern,
Maria, die raucht, bevor sie Joseph gesteht,
dass sie schwanger ist,
und ich stelle mir sogar vor, wie Jesus eine Zigarette
hinterm Ohr hervorzieht und raucht,
um sich zu entspannen, bevor er zu den Massen spricht,
die sich um ihn versammelt haben.
Ich bin kein Raucher.
Aber manchmal bekomme ich Lust und rauche
Wie in diesem Augenblick, in dem ich den Regen betrachte
der hinter der Scheibe fällt
und ich fühle mich wie Noah, der darauf wartete
dass die Sintflut nachließ und der
die ganze Arche auf- und abging
auf der Suche nach der Stelle,
wo er das verfluchte Päckchen hingelegt hatte.

Frank Báez, geboren 1978 in Santo Domingo, ist Dichter und Musiker. Er hat die Gedichtbände „Postales“, „Anoche soñé que era un DJ“ und „Llegó el fin del mundo a mi barrio“ verfasst. Außerdem veröffentlichte er den Band mit Kurzgeschichten „Págales tú a los psicoanalistas“, den Band „La trilogía de los festivales“ mit literarischen Reportagen und die Artikelsammlung „Lo que trajo el mar“. Er ist Herausgeber der Zeitschrift Global und des Poesiemagazins Ping Pong und Mitglied des Spoken-Word-Kollektivs „El Hombrecito“. Sein aktuelles Buch trägt den Titel „Este es Futuro que estabas esperando“.


Frank Báez
ist mit der Latinale 2017 in Berlin am 19.10. um 18 Uhr im Simon-Bolivar-Saal des Ibero-Amerikanischen Instituts, sowie am 20.10. um 19:30 Uhr in der Lettretage

und in München am 26.10. um 18 Uhr in der Spanischen Buchhandlung (Liberia Española en Munich) sowie am 27.10. um 19 Uhr im Rationaltheater.


Zusammengestellt von Timo Berger, Rike Bolte und Laura Haber


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